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Die Hälfte liegt ca. in der Mitte

Die letzten drei Tage kam es bei der W-V-L nur eins: Unterschriften. Morgens, mittags und Abends. Wir hatten auch mächtig viel zu tun, 4.500 Unterschriften müssen wir gesammelt und geprüft haben, damit wir 4.000 gültige rechtzeitig abzugen. Deswegen mussten wir Top-Effizient sein und beschlossen, uns ganz der Aufgabe zu widmen.

Wir grüßten uns kaum noch, das war ja Zeitverschwendung. Wenn wir untereinander redeten, dann nur in knappen, effizienten Sätze, wir haben im Nu eine High-Achiever-Sprache entwickelt. Die klang so:

Da Mensch! Da Gruppe!

Fr Maybachufer elf sechzehn, SaSo Teehof elf siebzehn.

Kuliwo?

Hunger, Pause 15.

Kaffee? MiZu drei!

Das letzte bedeutet Milch und drei Zucker. Ja zu sagen wäre ja ein Zeitverlust, denn wer auf die Frage, ober er Kaffee will antwortet ‘Milch und drei Zucker’ setzt ein Ja voraus. Also kann man darauf verzichten. Ja und Hallo, wie geht es Dir sind in Sammelzeiten wie unseren eine Gefahr. Eine Bedrohung. Der Feind. Der Teufel. Das Böse in Buchstaben.

Gleichzeitig waren wir mit den Interessenten und Unterstützern freundlich und die Höflichkeit in Person. Wir breiteten unsere Vorstellungen vor ihrem geistigen Auge aus, verwiesen auf die Plakate, wedelten elegant mit den Flyern, ließen unsere Badges geschickt im Sonnenlicht funkeln. Unsere rethorischen Fähigkeiten hatten wir vorher mit einem Zaubertrank unserer Machart gepusht um das Level einer Mischung aus Demosthenes und Gregor Gysi. Auf andere Politiker der Neuzeit haben wir bei der Mixtur bewusst verzichtet. Das Rezept ist einfach: Etwas Ovomaltine mit Maggi mischen, dazu die zerriebenen Reden des gewünschten Redners mischen, über Nacht einweichen lassen.

Aber eigentlich hätten wier dieses Niveau gar nicht gebraucht, schade um die Ovolmaltine. Sogar wenn wir uns in strömende Menschenmassen stellten, die auf uns zurollten wie spartanische  Phlanxen, wie Panzerdivisionen, was sagen wir, wie Tsunamis! So reichten ein-zwei Zauberworte, um die Massen, die Kolonnen, die Fluten zum Stoppen zu bringen: Miete! Wohnungsnot! Und die menschlichen Massen standen still

So sehen Wellenbrecher aus… wenn sie die Zauberworte kennen.

Ok nicht ganz, aber es reichte echt, Mieten oder Wohnen zu sagen, um die Leute zu interessieren. Fast jeder der unterschrieb hatte ein Lied oder zwei, oder fünf, von der Wohnungsmisere zu singen. Entweder über eigene Schwierigkeiten mit dem Wohnraum, oder von Bekannten oder Familie. Viele Familien die mehr Kinder wollten, aber nicht umziehen konnten. Eine Studentin bleibt uns Erinnerung, die 600 Euro monatlich zur Verfügung hat, aber 400 für Wohnraum zahlt.

Und die Geschichten, wie Studenten sich in WGs untereinander abzocken. Wer einen alten Mietvertrag hat, vermietet oft Zimmer unter zu heutigen Preisen, die Neuankömmlinge finanzieren einen Großteil der Miete. Der Untervermieter aber gleichzeitig eine Gemeinschaft, in der man sich lieb hat und viel gemeinsam unternimmt. Solche unheilvollen Beziehungen spiegeln im kleinen den Wohnungsmarkt. Und zeigen, was Not mit Menschen macht. Nicht alle die solchen Bedingungen ausgesetzt sind werden ähnlich handeln. Aber viele werden sich denken, so ist das halt, jeder muss schauen, wo er bleibt.

Das entspricht der Härte zu Mitmenschen, die man derzeit am Wohnungsmarkt beobachten kann. Not, Knappheit, Übernachfrage führt dazu. Finanziell betrachtet ist die jetzige Zeit für die Immobilienwirtschaft ein goldenes Zeitalter. Warum sollte sie sich ein Ende der Wohnungsknappheit herbeiwünschen? Das ist jetzt nicht einmal arglistig gemeint, Gelegenheiten sind da, um ergriffen zu werden. Aber welche Kosten verursacht diese Zeit? Gesamtwirtschaftlich, aber auch moralisch?

 

Zurück zu Unterschriften…

Wir haben in diesen drei Tagen unglaublich viel aufgeholt, so dass wir jetzt bei etwas über der Hälfte der Unterschriften sind: 51,9 % ganz genau. Das Opfern von Jas und Hallos auf dem kargen Altar der Effizienz hat sich also gelohnt. Aber wir sind noch nicht am Ziel.

Es fehlen uns bis Mitte dieser Woche noch 2.000 weitere Unterschriften. Das ist schwer, aber nicht unmöglich.

Wenn wir das schaffen, können wir beim EU-Wahlkampf mitmachen. Wir haben dann die selbe Sendezeit wir die großen Parteien, aber nur ein Thema: WOHNEN. Während andere sich auf 10 Themen aufteilen müssen, konzentrieren wir uns auf eins. Und das können wir ausgiebig behandeln und mit der von der Wohnungskrise verursachten Härtefälle könnte man mehrere neue Bibeln fülllen.


Wer uns helfen will, kann folgendes machen:

  • Formulare, Flyer, Badges gratis im Wahlbüro abholen und vom Umfeld unterschreiben lassen. W-V-L, Trautenaustr. 5, 10707 Berlin
  • Hier die Formulare herunterladen, Ausdrucken, Ausfüllen, Abschicken (“Aus-Aus-Ab, das ist der neue Rap” – Beat und Rythmus müsst ihr Euch dazu denken)
  • Zu einer unserer Sammelstellen kommen, die wir Dienstag und Mittwoch haben. Die Adressen stehen auf der Seite Sammelstellen

 

Vielen, vielen Dank! In drei Tagen kann man es schaffen, wir brauchen Eure Hilfe!!!!

 

Ein Gedanke zu „Die Hälfte liegt ca. in der Mitte

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