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Am Tempelhofer Feld

Die Sonne schien, der Himmel war blau, es waren 14° Grad am Tempelhofer Feld. Aber das beste am zweiten Tag unserer Unterschriftensammlung: Die Handgelenke waren locker. 4.500 Unterschriften brauchen wir ja noch bis zum 27.2.19, um an den EU-Wahlen antreten zu dürfen.

Ein Stand, sechs Plakate, 10 Sammler*innen, 16 Klemmbretter reichten streckenweise nicht um den Andrang zu bedienen, jetzt zählen wir uns die Finger wund. Den Stand posten wir bald auf der Startseite. Eins ist sicher: Wir brauchen mehr! Mehr Unterschriften, aber auch mehr Helfer.

Das heißt wenn Ihr Freund*innen, Bekannte, Schwester, Brüder, Eltern, Nachbar*innen, Kolleg*innen, Kassierer*innen, Ärzt*Innen und Briefträger*innen um eine Unterschrift bitten wollt, nur zu. Das Formular könnt ihr hier herunterladen.

Wie waren die Gespräche? Sehr positiv und viele sehr intensiv, trotz der kurzen Zeit. Die Neugierde war groß, überwiegend fanden die Interessenten die aktuelle Wohnungslage und die Wohnungspolitik katastrophal. Oft kamen persönliche Erzählungen, wie man nach Jahren aus seiner vertrauten Umgebung ausziehen musste und wie schwer es dann war, eine neue, leistbare Wohnung zu finden. Oder wie viele Leute man kennt, die momentan akut unter zu hohen Mieten leiden.

Wir nutzen immer das Argument, dass Gering- oder Normalverdiener*innen bis zu 50% ihres Einkommens für Wohnraum aufwenden. Wir waren erstaunt, dass so viele der Unterschreiber*innen tatsächlich so viel zahlen – und einige sogar noch mehr. Dabei waren viele Student*innen, die bei einem Einkommen von 700 bis 900 Euro manchmal 500 oder 600 Euro für ihre Unterkunft zahlen. Einige Rentner*innen waren in einer ähnlichen Situation, oder sahen es zumindest bei ihren Kindern.

Andere fragten, ob wir denn auch die Preise der öffentlichen Verkehrsmittel im Visier hätten. Warum? Weil man ja heute nur leistbare Wohnungen am Rande Berlins, oder sogar in Brandenburg findet, von daher wäre das auch ein Beitrag zu einer Lösung. Das Schlimme daran: Die Wohnungsnot wird als so aussichtslos betrachtet, dass viele schon resigniert haben und gar nicht mehr an Lösungen denken, sondern nur noch an Notlösungen.

Eine Familie aus Frankreich hörte sich interessiert unsere Ideen an. Die Tochter, Studentin, erzählte von Ihren Freunden die in Berlin studierten, die nur 250 Euro Wohnbudget haben und deswegen in Brandenburg wohnen. Die Franzosen wunderten sich, warum man die einzigartige Situation Berlins – viel Wohnraum, niedrige Preise, viel Grün, viel Platz – denn an Paris angleichen wolle, anstatt sie zu schützen. Wir waren ganz deren Meinung. Obwohl sie keine Unterschrift leisten konnten wünschten sie uns viel Glück. Was übrigens an diesem Tag viele taten.

Im Gegensatz zu den Franzosen aus dem vorigen Absatz habt ihr es gut. Denn ihr wohnt nicht in Frankreich und könnt uns damit unterstützen! Das Ausfüllen des Formulars dauert zwischen 45 und 90 Sekunden, wir haben es heute oft, sehr oft, gestoppt.

Morgen sind wir vor dem Hotel Adlon ab 16.30 Uhr, da dort eine Immobilienkonferenz stattfindet. Es treffen sich bis zum 20.3.19 Immobilieninvestoren*innen, Banker*innen, Vertreter*innen von Immobilienkonzernen und Politiker*innen, der Eintritt kostet 3.000 Euro. Wer sehr gut am Immobilienmarkt verdient – auf Kosten der Mieter*innen – kann es sich auch leisten, so einen Preis zu zahlen. Wir vermuten, diese 3.000 Euro stellen nicht 50 % des Einkommens der morgen anwesenden dar.

Wir sehen uns dort?

Uwe und Nicole fangen eine Unterschrift ein, mit der berühmten Sandwich-Technik…
Habt ihr vielleicht schon diesen Slogan gesehen? Nein? Der ist von einer Wählergemeinschaft die… 😉
Unglaublich gut fürs Handgelenk, unglaublich gut für die Demokratie.
Die Himmelfahrtsbrigade, zumindest der Teil, der die Schlacht am Tempelhofer Feld überlebte…

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